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Gespräch mit Ina Lill und Roland Schreiner

„Jeder glaubt, dass sei sehr hart“: Hospizarbeiter teilen ihre Erfahrungen

Warum sterbende Menschen unterstützen und sich ständig mit dem Tod konfrontieren lassen? Was führt dazu, dass Freiwillige in der Palliativversorgung diese Tätigkeit als sehr belohnend empfinden? Wir haben uns dafür entschieden, Nachforschungen anzustellen.

Ebersberg – Der Frühling hat begonnen, auf den Weiden erwacht neues Leben. Ist dies der geeignete Zeitpunkt, um über den Tod zu diskutieren? Dies befragen wir die beiden Hospizhelfer aus Ebersberg, Ina Lill und Roland Schreiner. „Der Tod kennt keine Jahreszeiten, sondern geschieht täglich“, erklärt Lill. „Es ist von Vorteil, dieses Thema ins tägliche Gespräch einzubeziehen statt es nur am Allerheiligentag zur Sprache kommen zu lassen“, fügt Schreiner hinzu.

Birgit Deppe-Opitz, eine Theologin und Supervisorin, bemerkt regelmäßig während ihrer Schulungen, dass potenzielle Hospizbetreuungshelfer oft Bedenken haben: "Falls du dort hingehst, wirst du höchstwahrscheinlich traurig zurückkehren." Doch dem steht das genaue Gegenteil gegenüber. Sie betont, dass das Gespräch über den Tod das Leben bereichert, da man damit etwas verbindet, was unteilbar mit unserem Dasein verbunden ist. Ihre persönliche Erfahrung zeigt: "Das Schwierige dabei ist nur die Trennung." Ina Lill unterstützt diese Ansicht: "Alle glauben, dies wäre grauenvoll. Es ist jedoch überhaupt nicht so schlimm."

Seit 1997 besteht der Ebersberger Hospizverein. Gegenwärtig sind es 66 ehrenamtliche Helfer, die sich diesem Anliegen widmen. "Vor dem Engagement steht ein umfangreicher Schulungsprozess von mehreren Monaten." Ausbildung "Voran", fügt Birgit Deppe-Opitz hinzu. Zusätzlich findet monatlige Supervision statt sowie jährlich ein Fortbildungsprogramm. Wenn sich Freiwillige für eine Betreuung verpflichtet fühlen, beginnen mit ihnen Vorbesprechungen: "Was sind die Bedürfnisse der Betroffenen, was ist von den Freiwilligen erforderlich?" Nach dieser ersten Begegnung haben alle Teilnehmer erneut Gelegenheit zur Entscheidung. Im Hospizverbands bieten sich verschiedene Tätigkeitsfelder an: ambulantsterilende Unterstützung zuhause, auf der palliativen Station, im Pflegeheim oder auf der Palliative-Insel. Glonn .

Betreuung für Sterbende und deren Familien

Roland Schreiner unterstützt nun schon seit zwei Jahren und sechs Monaten Menschen beim Sterben sowie deren Familienmitglieder. Er erklärt: "Die Betreuung beginnt üblicherweise mit einem Termin pro Woche. Die Anzahl dieser Treffen steigt jedoch oft an, je näher das Ende heranrückt." Zuvor war seine Karriere als Ingenieur für Flug- und Raumfahrttechnik nicht unbedingt auf dieses Gebiet ausgerichtet. Was hat ihn also dazu bewogen? „Es ist wichtig füreinander da zu sein, gemeinsam wachsen und Acht geben. Ich habe im Laufe meines Lebens viel bekommen – auch vom sozialen System. Deshalb möchte ich etwas davon wieder zurückgeben“, erläutert Roland Schreiner seinen Motivationsschlussel.

Ina Lill betreut bereits seit sechs Jahren Menschen am Lebensende. Auch früher schon hat sie damit zu tun gehabt. Kind Haben Sie bemerkt, dass die Leute sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen wollen? Das war für sie eine Herausforderung, mehr darüber herauszufinden. "Das Pflegen von ehrenamtlicher Arbeit hat mich dazu gebracht, es genauer anzugehen." Ihr Antrieb ist, dass Sterbende oft isoliert sind. "Es bedeutet mir sehr viel, einfach nur da zu sein, über Gespräche zu vermitteln und Dankbarkeit auszudrücken."

Das Sterben ist vielfältig

Egal wie einzigartig das Leben ist, ebenso vielfältig ist auch der Tod. Birgit Deppe-Opitz beobachtet ständig, dass Menschen am Lebensende ihren genauen Zeitpunkt des Dahinscheidens mitschaffen können, sogar dann, wenn sie tagelang schlafend sind oder im Koma liegen. Diese Situation ermutigt euch zu fragen: "Was geschieht eigentlich zwischen Himmel und Erde?" Roland Schreiner findet es angenehm zu denken, dass ihr nicht wirklich gestorben seid, sondern lediglich den Ort gewechselt habt.

Handelt es sich dabei um das, was den Tod weniger furchterregend macht? Während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bemerkte Schreiber eine Beobachtung, welche beruhigend erscheint: "Die Verstorbenen hatten stets einen gelassenen Gesichtsausdruck. Als hätten sie problemlos ihr Ziel erreicht." Diese Einsicht führt zu zahlreichen philosophischen und besonders religiös beeinflussten Fragen. Für Ina Lill ist dies ein außerordentlich tröstlicher Gedanke, falls man an einen anderen Ort glaubt. Natürlich sei es schwieriger, wenn man bezweifelt, dass nach dem Leben noch irgendetwas kommt. Trotzdem gibt es hier ebenfalls Trostmittel. Lill meint, dass Gespräche zum Thema "das Unausgesprochene" letztendlich zur Ruhe beitragen könnten: "Ruhe finden im Umgang mit der Welt, Mitmenschen und dem Tod."

Es ist einfach großartig, dort zu sein, den Austausch zu genießen und die Dankbarkeit der Menschen zu spüren – all dies bringt mir sehr viel.

Ina Lill, Hospizhelferin

Der Tod stellt auch die Familie vor Herausforderungen. Es ist schwer zu akzeptieren, dass man nichts unternehmen kann. Doch laut Ina Lill und Roland Schreiner liegt das Kernstück darin, einfach anwesend zu sein. Die Empfindung von Ohnmacht hat ihre Gründe, erklärt Schreiner: „Unsere Gesellschaft betont Leistungsfähigkeit stark. Wir neigen dazu, Heilung herbeizuführen. Allerdings lässt sich der Sterbeprozess nicht kurieren“. Erschließen dieser Aspekt gehört zu ihren Zielen.

Die medizinische Betreuung bedeutet vor allem eines: kein Atemnot, keine Schmerzen, keine Angst. Dazu kommen noch psychologischer und sozialer Unterstützung sowie seelisches Wohlsein. Abhängig davon, wie Familienmitglieder diese Themen in ihren Alltag einbeziehen, bestimmen sie ihre Handlungen. „Papi, du solltest was essen, damit du wieder gesund wirst.“ Aber was passiert, wenn Sterbende nicht mehr essen wollen? In solchen Fällen fungieren Palliativbetreuer als Vermittler zwischen den Welten. Letztendlich liegt es an den Lieben zuzulassen: „Alles Gute, du darfst gehen."

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