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Etwa 150 Pflegekräfte vom Herzzentrum haben am Mittwoch in einen Warnstreik gezogen. Ihre wichtigsten Anliegen umfassen ein mangelhaftes Personaleinsatzniveau sowie unzureichende Entschädigung für die Erledigung zusätzlicher Aufgaben und die aktuelle Inflationswelle. Sie fordern insgesamt eine Gehaltserhöhung von zwölf Prozent, vier bezahlte Sonderferientage für Mitglieder der Gewerkschaft Verdi sowie Anerkennung längjährigen Dienstverhaltens durch Vergütungsanpassungen. Bisher ist die Geschäftsleitung noch keine neueren Angebote zur Lösung dieses Streits eingegangen.

Verdi: Fünf aus den neun Operationssälen sind nicht mehr im Einsatz

Kliniken des Unternehmens Helios gaben keine Auskunft darüber, ob wegen des Warnstreiks angesetzte Operationen und Behandlungen ausgefallen oder verschoben worden sind. Das Unternehmen sagte nur aus, dass der Notfallservice sicher gestellt werde – unter Beachtung eines vereinbarten Notdienstplans. Allerdings berichtete Hannah Trautmann vom Gewerkschaft Verdi, dass mindestens vier von neun operierenden Sälen nicht in Tätigkeit waren.

„Wir sind ein renommiertes Spezialitätskrankenhaus mit einer weiten Reichweite auf globaler Ebene“, begann Pflegekraft Antje Kretzschmar (48) bei dem Warnstreik am Anfang, um das Profil des Herz-Zentrum zu beschreiben. „Unsere Schwerpunkte liegen dabei beim Versorgen schwerkranker Patienten durch komplizierte Eingriffe, wobei unser Fachpersonal sehr fundiert ist.“ Es sei unangemessen, dass Mitarbeiter zunehmend anfallende Aufgaben außerhalb ihrer Qualifikationen ausführen müssten, ergänzte die Schwester vom chirurgischen Intensivbereich dazu.

Erneute Mehrbelastung

Beim Startveranstaltungsereignis in der Prager Straße war es für viele Streikende hauptsächlich die folgenden Aspekte, die Sorge bereiteten: vom Krankentransport über die Zubereitung des Essens im Zimmer und das Auffüllen von Lagerräumen bis hin zu Bettwäsche-Reinigungen – Aufgaben, die bisher in den Händen von Dienstleistungskräften lagen, sollten jetzt von anderen erledigt werden. Pflegekräften „Wir sehen eine Rückwärtsbewegung", berichtete Rahel Pilz. Tatsächlich hatten viele dieser Aufgaben schon vor einer Weile die Pflege verlassen sollen.

Die Qualität nimmt ab, wenn man in weniger Zeit mehr erledigen soll.

Rahel Pilz; Krankenschwester

Daraus folgt unvermeidlich eine weitere Belastung, da wahre pflegepflichtige Aufgaben nicht delegiert werden können. „Wenn man innerhalb kürzerer Zeiträume mehr erreichen soll, beeinträchtigt dies die Qualität der Arbeit“, warnte Pilz. In diesem Fall könnte man sich weniger um die Patienten und auch um die Ausbildanden bemühen. Daher tritt ein Mangel an der Lehrausbildung auf.

„Die Wut ist riesig“, erklärte Eileen Wagner (39). „Es gibt immer mehr zu tun, während gleichzeitig alle Preise ansteigen.“ Eine Folge dieser neuesten Entwicklung sei, dass viele Personen den Pflegesektor für ein anderes Berufsfeld verlassen wollen, wie Anja Apitz berichtete. Sie selbst habe ihre Ausbildung im Jahr 2009 am Klinikum St. Georg gestartet. „Da war das Personaleinsatz noch wesentlich größer“, meinte Apitz.

Offener Schreiben an Organisationen und die politische Gemeinschaft

„Unsere Ziel ist es, weiterhin eine hochqualitative Versorgung unserer Patienten zu gewährleisten“, betonte Mathias Brückner, Fachmann für Intensivpflege und Vertreter in der Tarifkommission. „Dies lässt sich jedoch nur durch gerechte Löhne und angenehme Arbeitsumgebungen erreichen.“

Der Hintergrund für den Anstieg anAufgaben im Servicebereich scheint neue rechtliche Vorschriften zu sein – darunter das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz. Seit diesem Jahr werden im Pflegetag mit nur noch Kosten für qualifizierte Pflegekräfte gerechnet, die direkt in der Versorgung vonPatienten tätig sind.

Andere Arbeiten werden durch die Fallpauschen finanziert, doch häufig bringen sie keinen ausreichenden Deckungsbeitrag ein. Daher verschieben manche Krankenhäuser bestimmte Verpflichtungen samt der damit verbundenen Auslagen auf das Pflegestab. Mehrere Betriebsratsvertreter verschiedener Krankenkonzerngruppen haben zu diesem Thema bereits im Vorjahr eine öffentliche Erklärung veröffentlicht. Sie richteten sich an sowohl die Arbeitgeber als auch die Politik; Letztere solle sicherstellen, dass sämtliche für Personal erforderlichen Kosten gedeckt werden.

Noch kein neues Angebot

Trotzdem bleibt vor dem Hintergrund zusätzlicherAufgaben die Diskussion über eine höhere Bezahlung bei Helios offen. "Wir haben Verdi während der aktuellen Runde ein angemessenes Angebot unterbreitet", erklärte Tina Mühlbauer vom Unternehmen. Gemäß Angaben des Gewerkschafts vertreten wird Helios einige Punkte der Forderungen überhaupt nicht berücksichtigt und bietet nur eine Gehaltserhöhung von siebenundzwanzig Euro im Zeitraum von zwei Jahren an.

Ihr Missfallen äußerten die Pflegekräfte nach der Eröffnungsveranstaltung während des Umzugs zum Herzzentrum erneut. Sie waren zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom DRK-Rettungsdienst, die auch einen Streik durchführten.

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