Mach's übersichtlicher
Smartphones für Senioren: Einfach bedienbar konfigurieren anstatt einen speziellen zu erwerben
Ohne ein Smartphone kommt heutzutage fast niemand mehr zurecht. Dennoch bereiten verwirrende Menüs und aufwendige Bedienungsabläufe Schwierigkeiten für manche Menschen. Die Lösung hierbei ist klar: Anpassung.
Hannover/Berlin – Das Smartphone spielt für ältere Menschen im täglichen Leben eine wichtige Rolle. Laut einer Untersuchung des Bitkom Research kann bereits die Hälfte aller Personen im Alter von über 65 Jahren Nachrichten per SMS oder Messenger versenden. Zudem haben knapp die Hälfte gelernt, wie man mit seinem Handy Bilder und Videoclips macht.
Aber was passiert, wenn es darum geht, neue Funktionen zu entdecken und zu lernen? Wie stellen sich ältere Menschen zurecht, die gerade mit Smartphones beginnen, insbesondere wenn die Menüoptionen unendlich erscheinen oder das Touchdisplay Schwierigkeiten bereitet?
Android 15 bietet die "Einfache Ansicht".
Eine Option besteht darin, sein Smartphone anzupassen. Laut Timo Brauer von Inside-digital.de bietet "Obwohl viele Hersteller dafür keine spezifische Funktion anbieten, können Sie die Symbole sowie die Schriftgröße im Setup verändern. Auch die Tastatur lässt sich entsprechend anpassen", erklärt er.
In Android 15, das ab Herbst 2024 erhältlich sein wird, steht zum ersten Mal der Modus „Einfache Ansicht“ zur Verfügung (Einstellungen/Bedienungshilfen). Dieser Modus bietet sogar noch viel mehr Funktionen: Durch die angepasste Darstellung werden Texte besser lesbar und das Layout sowie die Bedienelemente des Displays erleichtern sich.
Da Hersteller das Android-System häufig anpassen, kann außer bei den Google-Pixel-Handys nicht genau bestimmt werden, ob der Modus auf bestimmten Geräten zur Verfügung steht. Bei Unsicherheit lohnt es sich, vor dem Einkauf nachzufragen.
„Einfach-Modus“ von Samsung, „Hilfsmodus“ von Apple
Beim Einsatz von Samsung-Geräten ist der vorbelegte Einfache-Modus bereits seit längerer Zeit verfügbar. In diesem Modus zeigt das Telefon eine Tastatur mit erhöhtem Kontrast an, um die Lesbarkeit zu verbessern, und vergrößert den Text sowie die Symbole erheblich, wie Timo Brauer ausführt.
Beim iPhone ist der einfache Modus erst seit kurzem verfügbar. Er kam mit iOS 17 hinzu und trägt den etwas unhandlichen Namen "Unterstützender Zugriff" (Einstellungen/Bedienungshilfen). Diese Funktion vereinfacht das Interface und reduziert die Hauptfunktionen auf das Wichtigste. Auch Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen können davon profitieren.
Startbildschirme und Menüs werden durch Launcher-Apps umgestaltet.
Neben diesen Optionen sind da noch viele Anwendungen, die das Nutzungserlebnis eines Smartphones für Senioren verbessern können. Insbesondere zwei Apps – "BIG Launcher" und "Elder Launcher" – bieten eine benutzerfreundlichere Oberfläche für Android-Telefone und Tablets durch deutlich vergrößerte Tasten und Schriftzeichen an. Dies erklärt Steffen Herget vom Fachmagazin „c't“.
Zugleich vereinfachen die Anwendungen das Menüdesign. Das "BIG Launcher", zum Beispiel, beschränkt die Hauptansicht auf sechs selbst erklärende Symbole. Darüber hinaus sind da noch Tastaturoptionen, welche eine größere Tastatur bieten und dadurch die Bedienung des Handys einfacher machen.
Bildschirmvergrößerung und Verlangsamen der Reaktionsgeschwindigkeit
„Eine weitere nützliche Funktion ist die Bildschirmlupe, welche fast auf allen Smartphones vorhanden ist. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bereiche des Displays vergrößern“, erläutert Steffen Herget. Zudem könne die beim Tippen auf dem Touchdisplay oft wählbare Verzögerung der Reaktion hilfreich sein.“
„Diese Funktion ermöglicht es, die Zeitspanne festzulegen, innerhalb derer das Smartphone auf Berührungen reagiert“, erklärt Herget. „Indem man diese Verzögerung verlängert, kann vermieden werden, dass App-Icons zufällig angeklickt werden.“
Alle diese Funktionen sind auch für iPhones vorhanden, wobei einige jedoch andere Namen tragen, wie Herrgert erklärt. Bei Apple-Geräten stehen im Bereich der Benutzerhilfen viele Optionen zur Verfügung, um die Anzeige oder den Textsatz anzupassen und Audiodeskriptionen von Inhalten abzuspielen. Zudem ermöglichen neue iPhones die Koppelung von Hörgittern.
Verwendung der Kindersicherungsfunktionen in iOS und Android
Eine nützliche Funktion, ursprünglich für Kinder konzipiert, findet sich ebenfalls für Senioren-Smartphone-Nutzer als hilfreich heraus: Im Bereich „Bildschirmzeit/Beschränkungen“ bei iPhone-Geräten oder durch die Anwendung Google-App Family Link auf Android-Handyzugriffe können Sie definieren, welche Apps und Inhalte zugänglich sind.
„So lässt sich vermeiden, dass ein unerfahrener Benutzer versehentlich die falsche App startet oder möglicherweise eine schädliche Software öffnet“, erläutert Steffen Herget das Konzept.
Ein Anbieter für die gesamte Familie sowie Terminbuchung per Handy
Wenn jemand im Familienkreis beabsichtigt, einem Großelternteil zum Beispiel ein Smartphone as Geschenk zu machen, empfiehlt Timo Brauer, eine Marke auszuwählen, mit der man sich selbst vertraut ist. „Dadurch wird es einfacher sein, bei Bedarf Hilfe zur Verfügung zu stellen, um das Gerät nach den Wünschen des Nutzers einzurichten.“
Erfahrenere Nutzer von Smartphones können auf moderneren Geräten zahlreiche Funktionen mithilfe der Spracherkennung steuern. "Dies ist ein sehr nützlicher Weg, die Tastatur zu umgehen und eignet sich besonders zur Durchsuchung des Adressbuchs oder zum Verfassen von SMS", rät Steffen Herget.
Hilfe ist jedoch nicht ausschließlich innerhalb des Familienkreises oder unter Freunden zu finden: Zahlreiche Organisationen, wie zum Beispiel die Caritas oder Verbraucherzentren, vermitteln telefonische Beratung über Smartphones. Durch eine Internet-Recherche mit entsprechenden Schlüsselwörtern und der eigene Adresse können Sie leicht herausfinden, welche Einrichtungen in Ihrer Nähe solche Telefonzeiten anbieten.
Echte Seniorenhandys sind nicht lohnenswert.
Wer ein bestehendes Smartphone lieber nicht selbst an die Bedürfnisse älterer Nutzer anpassen will, hat die Möglichkeit, gerätegeeignete Modelle direkt bei Fachfirmen zu erwerben. Allerdings ist Timo Brauer der Meinung, dass es keine Empfehlungen für solche Spezialgeräte gibt.
Nach meiner Überzeugung bringen besondere Senior-Handys nichts auf der Hand, erklärt Brauer. Diese Modelle verfügen häufig über erheblich minderwertigere Hardwarespezifikationen im Vergleich zu anderen Smartphones beim gleichen Preissegment. Darüber hinaus wurde hier ebenfalls lediglich das Benutzerinterface angepasst, ein Vorgehen, das man auch bei allen übrigen Geräten durchführen kann.
Stärkeres Gehäuse und ein wirklicher Hilfsknopf
Einige dieser von vielen als so genannte Senioren-Smartphones vermarktenGeräte weisen jedoch einige Vorteile auf: "Oft gibt es hier einen physischen Notrufknopf auf der Rückseite, den herkömmlicheSmartphones normalerweise nicht anbieten", erklärt Timo Brauer.
Eine weitere Stärke der sogenannten „Senioren-Smartphones“ ist ihr robuster Aufbau. Während herkömmliche Handys zunehmend dünner und feiner gestaltet werden, tendieren Seniorengeräte dazu, stärker und widerstandsfähiger zu sein, erklärt Steffen Herget. Er hebt jedoch auch Bedenken hervor: Die installierten Betriebssysteme seien häufig nicht die neuesten Versionen. Darüber hinaus bemängelt er, dass teure Preise für vergessene Technologien gefordert würden.
Ladeschale als praktisches Hilfsmittel
Egal ob normales Smartphone oder besonderes Seniorengerät: Eine äußerst nützliche Lösung zur Vermeidance von Problemen bei der Suche nach dem richtigen Ladegerät und um das Durcheinander mit Kabeln zu reduzieren, ist stets eine Ladescheibe für den drahtlosen, induktiven Laden im Haushalt.
„Heute ist diese Technologie in zahlreichen Versionen verfügbar und sie erleichtert den Umgang ohne Kabel“, erklärt Steffen Herget. Allerdings unterstützen nicht alle Smartphones die drahtlosen Ladungen durch Induktion. dpa