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Hilfe in schweren Lebenslagen

Die Telefonseelsorge Marburg ist auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern.

Die Telefonseelsorge Marburg, welche sich nicht nur um die Universitätsstadt Marburg kümmert, sondern auch für Frankenberg, Biedenkopf und Schwalmstadt verantwortlich ist, sucht weitere freiwillige Helfer. Zu diesem Zweck haben wir ein Gespräch mit Harald Henkel geführt. Er leitet den Trägerverein der Telefonseelsorge Marburg.

Herr Henkel, weshalb kontaktieren Personen die Telefongebetsdienste?

Die Einsamkeit zählt zu den wichtigen Themen. Oft genug verbringen Personen ihre Zeit vollkommen alleine. Sie haben niemanden zum Reden oder jemanden, mit dem sie sich über relevante Angelegenheiten austauschen könnten. Fragen im Zusammenhang mit Partnerschafts- und Familienproblematiken nehmen dabei einen großen Raum ein. Eine erhebliche Zahl von Individuen kämpft gegen Überforderung an. Diese Leute erleben Schwierigkeiten durch Stress, depressive Verstimmungen sowie Lebensunsicherheit. Wenn es um psychische Gesundheitslagen geht, stellt der unkomplizierte Kontakt zu einem Psychotherapeuten oft eine Herausforderung dar. Daher entstehen langfristige Wartelisten. Dies führt auch dazu, dass wir vermehrt angerufen werden.

Also rufen Sie nicht nur Personen an, die depressiv oder abgestumpft sind?

Nein. Unsere Anrufer stammen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Im Großen und Ganzen nehmen uns hauptsächlich Personen im Alter von 40 bis 80 Jahren telefonisch Kontakt auf. Vor einem halben Jahr haben wir zudem einen Chatservice eingeführt, um insbesondere jüngere Menschen zu erreichen.

Also stellen die Menschen bei den Chats ihre Fragen via E-Mail oder Messenger vom Computer aus und erhalten Antworten über denselben Kanal?

Stimmt genau. Bei diesen Chat-Beratungen werden wir auf Probleme mit den jungen Menschen richtig eingehend konfrontiert. Es ist echt sehr intensiv.

Können Sie Beispiele nennen?

Suizid. Ernährungsstörungen. Konflikte in der Partnerschaft mit Eltern oder Geschwistern.

Wie oft meldet sich im Durchschnitt monatelang jemand beim Telefonservice für Seelenpflege in Marburg an?

Im Durchschnitt erhalten wir monatlich etwa 450 bis 500 Anrufe. Diese Verteilung erfolgt über den gesamten Tag, wobei es häufig einen Höhenpunkt gibt, wenn der Abend anbricht. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass lediglich einer von sieben Anrufenden erfolgreich Kontakt aufnimmt, da die Zahl unserer ehrenamtlichen Helfer begrenzt ist. Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamtgespräche und -chats auf mehr als 6000 beziehungsweise 500 Einheiten.

Wieviele Personen sind bei der Telefongesellschaft in Marburg angestellt?

Wir zählen nun 37 ehrenamtliche Helfer. Früher gab es sogar 40 von ihnen. Unsere Hauptzielgruppe sind Personen, die ihre berufliche Laufbahn beendet haben und nach einer neuen Herausforderung Ausschau halten. Unser besonderes Interesse gilt auch jungen Menschen, insbesondere wenn es um das Handhaben neuer Technologien wie Chats geht. Jüngere Generationen können sich leichter auf deren Bedürfnisse einstellen. Allerdings suchen wir vor allem solche Individuen, die bereits Erfahrung im Bewältigen kritischer Situationen gesammelt haben. Gleichzeitig müssen sie jedoch aus ihren persönlichen Schwierigkeiten heraus sein. Um unsere Arbeit effektiver gestalten zu können, brauchen wir unbedingt zusätzliches Personal.

Was für eine Ausbildung müssen Personen absolvieren, die bei der Telefonseelsorge tätig sein wollen?

Es findet eine zwölfmonatige Schulung statt, die ab diesem Mai erneut startet. Diese Schulung wird von einer zugewiesenen Psychologin und Psychotherapeutin geleitet. Die Gruppentreffen finden wöchentlich statt, während dessen das Thema Hören sowie psychische Erkrankungen besprochen werden. Wir favorisieren Präsenzsessions hierfür in Marburg. Zusätzlich haben wir gelegentliche Einzel- oder Zweitage Workshops zur Selbstreflexion, welche unter Anleitung eines Experten stattfinden. Teilnehmende betrachten diese häufig als äußerst nützlich, da sie normalerweise im täglichen Leben kaum Platz dazu wäre. Es besteht Gelegenheit, bewusste Pausen einzulegen und tiefer in eigene Fähigkeiten und Potenziale einzutauchen.

Die Leute, die Sie suchen, arbeiten ehrenamtlich, ohne Entgelt?

Sie sind ehrenamtlich tätig. Allerdings erhalten Sie eine Fahrkarte vom Zuhause bis nach Marburg kostenlos.

Die Freiwilligen verrichten ihre Arbeit entweder aus Marburg heraus oder von zu Hause aus?

Es entsteht regelmäßig ein Dialog darüber. Die Arbeit erfolgt unter dem Dach von Marburg. Diese Aufgabe bietet die Möglichkeit, den gewohnten Rahmen zu verlassen und neue Impulse zu bekommen.

Welche persönlichen Vorteile bietet Ihnen dieser ehrenamtliche Dienst bei der Telefonseelsorge?

Die Erkenntnis, dass das Zuhören und Aufmerksamkeit Schon von alleine häufig die Intensität der Situation für den Anrufer reduzieren kann. Normalerweise fühle ich mich am Ende meines Einsatzes ziemlich erfüllt und bereit, nach Hause zu gehen.

Wohin können sich Interessenten wenden?

Weitere Details finden Sie auf der Website. telefonseelsorge-marburg.de , per E-Mail an Marburg.Telefonseelsorge@ekkw.de sowie telefonisch unter der Nummer 06421/682130.

Kostenlose Telefonnummer 0800 / 111 0 111

Die Telefonseelsorge arbeitet deutschlandweit in mehr als 100 Stadtgebieten und Regionen. Die Mitarbeiter sind im gesamten Jahr rund um die Uhr erreichbar. Alle Beratungsdienste werden anonym und kostenlos angeboten. Zudem stellt die Telefontseelsorge mit der App "KrisenKompass" Unterstützung bei depressiver Verstimmung und Gedanken an Suizid sowohl für betroffene Personen als auch deren Angehörige bereit. Diese Dienste können unter den genannten Nummern erreicht werden. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222 Wie erreicht man die Telefonseelsorge kostenlos?

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