Integration
Frankfurt: Kunstprojekt für Migrantinnen
Das Vorhaben namens "Weibliche Welt: Kunst, Begegnung, Vielfältigkeit" will es unterstützen, dass Migrantinnen sich in Deutschland wohler fühlen. Hier treffen Frauen im Alter von 20 bis 50 Jahren aus verschiedenen Lebensgeschichten aufeinander. Der Academy Verein für Bildungsberatung in Frankfurt ist der Initiator dieses künstlerischen Workshops gewesen.
Aydan vermisse besonders den "himmlisch-blauen Himmel" ihres Heimatlands Aserbaidschan. Aus diesem Grund habe sie ihren blauen Zugvogel in eine Welt voller strahlend blauen Himmels versetzt, teilt sie mit. Diese 33 Jahre alte Physikerin kam vor zwei Jahren nach Deutschland und malt am Dienstagmorgen in der Kunstgalerie Seidert im Stadtteil Bockenheim enthusiastisch. Rings um Aydan befinden sich zwanzig Frauen zwischen 20 und 50 Jahren aus verschiedenen Herkunftsstaaten wie Iran bis hin zu Sri Lanka sowie vielseitigen Lebensgeschichten. In der Luft liegt ein heiterer Ton; auf einem Tisch steht sogar Tee und Gebäck bereit. Jede dieser Damen malt einen zugewanderten Vogel gemäß dem festgesetzten Motto. Gemeinsam haben diese Gruppe nämlich eins: Sie sind alle Migranten und nehmen teil an dem kürzlich eingeleiteten Projekt namens "Frauenwelt: Kunst, Begegnung, Vielfalt", welches von der Academy Verein für Bildungsberatung in Frankfurt initiiert wurde.
„Trotz meines deutschen Freunds empfinde ich ab und an Einsamkeit. Diese Empfindung kann nur geteilt werden von Frauen, die ähnlich wie ich aus einem anderen Land stammen und ähnliche Erfahrungen machen", erklärt Aydan. Sie fügt hinzu: "Im Grundunterricht war ich ziemlich schwach im Zeichnen, doch nun nutze ich meine Chance, wieder damit anzufangen und so ein neues kreatives Universum zu entdecken." Aydan kam als Gastwissenschaftlerin nach Deutschland; aufgrund ihrer Beziehung mit ihrem deutschen Partner blieb sie hier und sucht nun nach einer neuen Arbeitsstelle.
„Dieses Vorhaben erschafft innovative Plattformen für die Begegnungen von migrantischen Frauen und fördert sowohl den interkulturellen Dialog als auch den sozialen Zusammenhalt. Es zielt darauf ab, ihnen durch Kunst erfreuliche Erlebnisse und Anregungen zu bieten“, erklärt Projektleiterin Hanife Citlak. Die 27-jährige wuchs in der Türkei auf, zog mit 18 Jahren nach Kambodscha und kam vor sechs Jahren nach Deutschland. Sie bemerkt: „Einige dieser Damen verbringen ihre Zeit nur zu Hause oder leben in einem Asylantenwohnheim; hier finden sie einen Raum zum Austauschen.“
Der Academy-Bildungsverein wurde 2007 von türkischen Mitbürgern in Frankfurt ins Leben gerufen mit dem Hauptziel, das bildungsmäßige Niveau der Migranten zu verbessern. Neben diesem Ansatz umfassen ihre Aktivitäten mittlerweile auch Umweltprojekte sowie Sprach- und Mathekurse für junge Leute. Ihr aktuelles Vorhaben namens "Frauenwelt: Kunst, Begegnung, Vielfalt" hat eine Dauer von drei Jahren und erhält Unterstützung vom Bundesamt fürMigration und Flüchtlinge. Die Damen kommen jeden Dienstag zusammen, um Workshops beizuwohnen. Alle zehn Wochen steht ein neues Thema zur Verfügung – momentan beschäftigt man sich mit kreativer Malerei, bevor anschließend Schmuckgestaltung folgen soll", erklärt Cutlak weiter. Im Sommer planen sie öffentliche Diskussionssitzungen und schließlich im Herbst einen Kunstausstellungsabend.
Kunst als Therapie
Inmitten dieser Gruppe befinden sich die beiden Kunsterzieherinnen Belkis Baki und Selda Akca, welche gleichzeitig die Betreuerinnen der Kunstgalerie sind. Gemeinsam organisieren sie regelmäßig verschiedene Künstlerworkshops für verschiede Verbände im täglichen Geschehen hier. Baki, die aktuell ihre Ausbildung zur Kunsttherapeutin absolviert, erklärt: „Wir haben uns für das Thema Zugvögel entschieden, da diese Frauen wie Vogelarten von verschiedenen Ländern herbeigezogen wurden und nun alle in Deutschland zusammenkommen.“ Das Hauptziel ist es dabei nicht, perfekte Zeichnungen anzufertigen – so wie man dies möglicherweise in einer regulären Schulung lernen würde – sondern vielmehr Spaß am Malen zu finden. Denn Kunst stellt sicherlich einen Weg dar, um abzuschalten und häufig sogar als Form der Therapie fungiert. An jenem besonderen Tag werden die Teilnehmerinnen dazu aufgerufen, etwas zu malen, das sie mit ihrem Herkunftsort assoziieren.
Vor vier Jahren kam Zeynep "aus politischen Gründen" von der Türkei nach Deutschland. Die 43-jährige verbessert gerade ihre Kenntnisse der deutschen Sprache und findet den Workshop sehr hilfreich dafür. Zu Hause hatte sie als Mathematik-Lehrkraft gearbeitet. Sie hat hinter ihrem Foto verschiedene Schattierungen in unterschiedlichen Farben verwendet: "Jede Farbe repräsentiert einen Abschnitt meines Integrationsprozesses. Weiße ist meine Lieblingsfarbe. Ich habe meinen Vogel bisher noch nicht vollständig weiß bemalen können, da ich mein Ziel noch nicht erreicht habe – nämlich wieder als Mathematiklehrerin in Deutschland tätig zu sein."